Der Mann und sein Garten

· Nur eine Geschichte über einen jungen Mann und sein Zuhause ·

Ein junger Mann saß auf der Veranda seiner Blockhütte. Er hatte sie selbst gebaut und sich ein Zuhause geschaffen, dass er von Herzen liebte. Die Hütte lag auf einem Hügel am See, so konnte er morgens den Sonnenaufgang über dem See bewundern, im Hintergrund die Berge und abends blickte er auf eine Röte wie aus dem Bilderbuch. Seine Hütte hatte die perfekte Größe für ihn, sie hatte genug Platz um all seine Dinge und seine Lieben zu beherbergen und doch war sie klein genug um ihm nicht zu viel Arbeit zu bereiten. Die gemütlichen Zimmer gaben ihm das Gefühl von Heimat und Geborgenheit. So klein seine Hütte auch war, so groß war dafür sein Garten. Der Blick des jungen Mannes reichte kaum bis zum Ende des Gartens egal zu welcher Seite er sah. Er hatte alle möglichen Arten von Bäumen und Sträuchern in ihm die ruhig und pflegeleicht vor sich hin wuchsen an Ort und Stelle. Alles war wo es sein sollte. Er hatte so viel Platz, er konnte sogar mit dem Fahrrad durch den Garten fahren, wenn er gewollt hätte. Sein Garten gab ihm das Gefühl von Freiheit. So hatte der Mann alles was er sich wünschen konnte in seinem Heim vereint.

Eines Tages ging der Mann in seinem Garten spazieren. Er ging weit weit weg von der Hütte und bemerkte hier, nahe dem Ende des Gartens einen seltsamen Geruch. Ihm wurde sofort unwohl und er ging zurück zur Hütte ohne auszumachen woher dieser Geruch stammte. Der Mann beschloss, sich diesem Teil des Gartens einfach nicht mehr zu nähern. Er hatte ja noch genügend Platz. Die Tage und Wochen vergingen, der Mann genoss das Leben und verirrte sich eines Tages gedankenverloren weit weg von der Hütte am Rande des Gartens. Ihm stieg der üble Geruch wieder in die Nase und wütend rannte er davon. Es musste etwas auf der anderen Seite seines Grundstücks liegen und der Wind trug diesen Gestank zu ihm herüber. Er ging nun nicht mehr zu weit von seiner Hütte weg um dem Geruch zu entkommen der von allen Seiten zu kommen schien. Eine Zeit verging und der junge Mann vergaß sogar über den Geruch. Die Tagen kamen und sie vergingen und nach einigen Wochen saß der Mann wieder auf seiner Veranda und da war er wieder. Der Gestank. Er konnte es nicht fassen, wollte es nicht wahrhaben. Der Mann ging in seine Hütte schlug die Tür hinter sich zu. Sehnsüchtig sah er aus dem Fenster hinaus in den Garten entgegen seiner geliebten Freiheit. Am nächsten morgen stand der Mann wieder am Fenster und sah hinaus. Er erkannte nun endlich die Ursache für den Geruch.

Ein Kraut, ein übel riechendes Kraut, hatte sich im ganzen Garten zu allein Seiten verteilt, es bedeckte jegliche Fläche und sogar die Pflastersteine. Es war bis zu seiner Veranda gewuchert. Der Mann ärgerte sich, er tobte wieso seinem geliebten Garten das passieren musste. Das Kraut machte auch vor der Hütte nicht halt. Der Mann war verzweifelt. Wie sollte er die Kraft aufbringen seinen riesigen Garten und seine geliebte Hütte von diesem Unkraut zu befreien. Traurig saß der Mann in seiner Hütte und dachte sich, das Kraut wird den nächsten Winter nicht überstehen, er müsse nur abwarten und nichts tun und es würde von alleine wieder verschwinden. So kam der nächste Winter und so ging der Winter auch wieder vorüber doch unter der Schneedecke war das Kraut noch da. Es brauchte nur ein paar Frühlingstage und es roch wieder überall nach dem Unkraut. Ein Freund des Mannes kam an der Hütte vorbei, er war auf Reisen gewesen und hatte den jungen Mann daher lange nicht besucht. Er klopfte und als der junge Mann ihm öffnete fragte er ihn wütend wieso überall das Kraut sei. Der Freund des Mannes war Gärtner, er fragte wieso der junge Mann ihn nicht gerufen hätte als ihm das Kraut das erste Mal aufgefallen war. Sie hätten es sofort an der Wurzel packen und vernichten können bevor es sich so ausbreitete. Der junge Mann wollte nicht wahrhaben, dass in seinem Garten etwas wucherte.

Es würde nicht mehr lange dauernd bis das Kraut die ganze Hütte bedecken würde und der Gestank durch die kleinsten Schlitze ins Innere dringen würde. Er liebte sein Zuhause, nirgendwo war er so glücklich wie hier doch nun war er nicht mehr glücklich. So sehr er das Zuhause liebte so sehr hasste er es jetzt, da all sein Glück von dem Gestank überdeckt wurde. Frustriert über seine eigene Dummheit packte der junge Mann seine Sachen und ging fort. Der junge Mann suchte sich eine Bleibe am anderen Ende der Stadt, weit weg von dem Gestank. Er überließ seine geliebte Hütte und seinen Garten sich selbst.

Der Freund des Mannes konnte nicht ertragen wie die schöne Hütte und der riesige Garten verwilderten. Er hatte die Hütte und den Garten über die Jahre selbst sehr lieb gewonnen und er wusste wie schön es hier vorher war so beschloss er das Unkraut zu bekämpfen. Es dauerte einen ganzen Sommer und einen weiteren Winter bis der Gärtner alle Reste des Unkrauts vernichtet hatte. Der Garten und die Hütte erstrahlten wieder in ihrer alten Pracht. Der Gärtner sah die Sonne über dem See aufgehen, im Hintergrund die Berge und er genoss das Abendrot wie aus dem Bilderbuch als die Sonne wieder unterging. Einen weiteren Sommer lang und noch einen Winter lebte der Gärtner in der Hütte, doch er spürte nicht das Glück das der junge Mann hier hatte. So schön es auch war, es war nicht sein Zuhause. Der Gärtner wollte wieder auf Reisen und sich eines Tages ein eigenes Zuhause bauen. So ging er wieder fort, doch nicht ohne von Woche zu Woche wieder an der Hütte vorbeizufahren und sich zu vergewissern, dass das Kraut nicht wieder kam. Er hatte gute Arbeit geleistet, das Unkraut war fort.

Der junge Mann lebte sein Leben am anderen Ende der Stadt weiter. Die Sonne ging auf und sie ging wieder unter doch der Mann konnte es nicht sehen über dem See. Groß war die Sehnsucht nach seinem Zuhause doch tief saß auch der Frust und die Angst was wohl daraus geworden war nachdem er fortging. Es musste mittlerweile überwuchert und unkenntlich sein. Es war so traurig. Der Mann ging auf den Markt um seine Einkäufe zu erledigen da hörte er ein altes Ehepaar sprechen, sie sprachen über die Hütte auf dem Hügel. Die Hütte stand leer, aber das wusste der junge Mann ja bereits. Doch das Ehepaar sagte auch, wie herrlich und schön die Hütte war und erst der traumhafte Garten. Erst gestern waren sie dort gewesen um dort spazieren zu gehen, denn da niemand dort wohnte würde es auch niemanden stören. In dem jungen Mann kam Freude auf. Konnte das möglich sein? Er fuhr sofort mit dem Fahrrad zu seinem alten Zuhause und schon an der Baumallee zur Hütte hin erkannte er, dass das Kraut weg war. Es roch wie früher, der Gestank war fort. Die Gerüche trieben alle Erinnerungen in ihm hervor und der Mann stand endlich wieder auf der Veranda seiner geliebten Hütte. Alles war wie früher, die Hütte strahlte und er konnte es nicht fassen. Überwältigt vor Glück las er sich auf der Veranda nieder und weinte. Er hatte sein Zuhause wieder, sein Glück. Nirgendwo auf der Welt würde er dieses Glück finden das wusste er. Der Freund des Mannes, der Gärtner kam vorbei und wollte sich wieder vergewissern, dass das Kraut fern blieb. Er sah den jungen Mann auf der Veranda sitzen und weinen und er wusste es waren Freudentränen. Er ging zu ihm hinüber und reichte ihm die Hand. Der junge Mann schloss den Gärtner in die Arme. Er war es, der sein Zuhause rettete als er nicht die Kraft dazu hatte. Der Gärtner war ein wahrer Freund. Der junge Mann musste dem Gärtner versprechen, dass er sobald er das Kraut oder ein anderes Kraut in seinem Garten entdeckte es dem Gärtner sofort erzählen würde damit sie es samt Wurzeln vernichten konnten und es nicht mehr so weit kam. Der junge Mann versprach es und der Gärtner ging wieder auf Reisen.

Sommer und Winter vergingen, der Sonnenaufgang über dem See vor den Bergen und der traumhafte Sonnenuntergang. Alles war wie früher und der junge Mann war endlich wieder glücklich. Er spazierte durch seinen Garten und da sah er es. Ein Kraut, aber ein anderes Unkraut als das alte. Dieses roch nicht übel, es roch gar nicht und es war fast unsichtbar. Der junge Mann ging weiter durch den Garten und vergaß über das Kraut. So klein und unsichtbar störte es wohl nicht. Zwei Tage später ging der Mann wieder an der Stelle vorbei und sah wie das Kraut war gewuchert war. Der Mann war entsetzt. Er erinnerte sich daran, was ihn das stinkende Kraut gekostet hatte und wie viel Arbeit es gewesen war für seinen Freund es wieder loszuwerden. Er packte eine Harke und holte jede noch so kleine Wurzel aus dem Boden, er rief seinen Freund den Gärtner um sicher zugehen, dass alles von dem neuen Unkraut weg war. Nie wieder würde ihm etwas sein geliebtes Zuhause zerstören und schon gar nicht seine eigene Dummheit. Nirgendswo auf der Welt war er so glücklich wie hier. Der junge Mann wurde hier alt.

Madeleine

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