Wer alles macht, macht nichts richtig – oder doch?

· Vielbegabte wissen es besser ·

Im Alter von drei Jahren wollte ich Schauspielerin werden. Sah zumindest auf einem Foto aus meiner Kindheit so aus, auf dem ich in einer Puppentheaterkiste sitze. Hat sich noch ein bisschen länger gehalten diese Idee. Meine Anfänge waren eher lachhaft als kleine Wolke im Kindergarten neben meiner Schwester (die zwei Jahre älter als ich ist und eine schon etwas umfangreichere Rolle hatte) musste ich einfach nur da stehen in meinem weißen Tütü und eben eine Wolke sein. Das ist mir vor all den Eltern aber scheinbar sehr schwer gefallen, denn als der Vorhang aufging dauerte es keine zwei Minuten bis ich von der Bühne gerannt kam und auf den Schoß meiner Mama geklettert bin, die zum Glück in der ersten Reihe saß. Aber zumindest während meiner Grundschulzeit als ich im Schultheater mitgespielt habe war ich dann ein wenig erfolgreicher. Dort habe ich eine Wahrsagerin gespielt und ich glaube wieder mit meiner Schwester zusammen. Wir waren echt ein super Team. Mit 12 ging ich dann sogar außerschulisch in eine Theatergruppe. Wir führten in Wasserburg am Inn das Stück „Lena und Leonce“ auf und ich hatte zwei kleinere Statistenrollen und eine Rolle mit Text als sehr betrunkener Wachmann. Das war recht lustig. Mit 14 ging ich dann nach München zu einer Casting-Agentur die mich für ein paar Fotoreihen in Zeitschriften untergebracht hatte und mir sogar ein Vorsprechen für die Hauptrolle in der Verfilmung von „Krabat“ eingebrachte. Wie ihr euch denken könnt hat es dafür aber nicht gereicht, sonst würdet ihr mich aus dem Kino kennen. Nun das war es dann auch mit meiner Schauspielkarriere.

Meine Kreativ-Laufbahn fing aber gerade erst an, ich malte riesige Bilder von Fantasiewelten und schrieb Texte und Geschichten über einen Jungen und seine Feenwelte. Für mein Schreibtalent bekam ich damals auch eine Auszeichnung allerdings war das auch mit ca. 10 Jahren über einen Faschingstag und der Verleiher der Trophäe war der Faschingsverein meines Heimatortes, weiß nicht wie viel das jetzt zählt, aber ich bin trotzdem sehr stolz darauf.

Zwischendrin mit 12 auf dem Gymnasium hatte ich eine glatte 6 in Mathe und eine 5 in Englisch. Habe mir dann gedacht „ach ihr könnt mich mal“, habe mir meine riesigen Segelohren anlegen lassen und bin auf die Realschule runter gegangen. (Leider denn das Abitur hätte ich im Nachhinein schon gern gehabt – dafür mach ich es ja jetzt auf dem zweiten Bildungsweg – besser spät als nie). Ich glaube jeder wurde in der Schulzeit mal gemobbt, die einen mehr die anderen weniger. Mir persönlich kam es schon so vor als wäre ich ein prädestiniertes Opfer dank meinem Feiwel-Maus-Gesicht. Bin mir nicht sicher ob ich an dieser Stelle ein Kindheitsfoto einfügen soll…

Jedenfalls tat die kleine Operation, die leider übrigens verhunzt wurde und ich daher nicht mehr auf der Seite schlafen kann und statt wie eine Maus jetzt wie eine Waldelbe aussehe, jedenfalls tat sie meiner persönlichen Entwicklung wohl ganz gut. Ich fühlte mich plötzlich sehr wohl unter Fremden und fand schnell neue Schulfreunde (meinen wahren Kindheitsfreunden habe ich hier einen Blogpost gewidmet – About my childhood) und habe die Realschule mit einem guten Schnitt abgeschlossen. „Gut“ nur weil ich faul war. Englisch lag mir plötzlich richtig gut und ich bestand einen Test der Cambridge University mit Auszeichnung. Die Freunde an Sprachen ging sogar soweit, dass ich auf eine Berufsfachschule gegangen bin um im ersten Schritt Fremdsprachenkorrespondentin Englisch, Spanisch, Deutsch – Handelskorrespondenz Wirtschaft zu werden und später einmal Übersetzerin oder Dolmetscherin. Das erklärt vielleicht wieso ich mein Buch „Muse – How to Create Your Own Happiness“ auf Englisch veröffentlicht habe. Es hätte mich allerdings auch gereizt mit dem Abschluss Flugbegleiterin zu werden und die Welt zu sehen. Nun ja. Bin ich nicht geworden.

Nun habt ihr gelesen, dass ich gern Theater gespielt habe, gemalt habe, geschrieben habe. Natürlich habe ich schon als Kind immer gern gelesen und gebastelt. Entworfen und genäht. Kaum hatte ich eine Sache zu Ende gebracht fing ich ein neues Projekt an. Als ich kleiner war schaffte ich es mich auf eine Sache zu konzentrieren bis ich sie erfolgreich beendet hatte. Nur im Sport lief das nicht so. Ich war beim Turnen, beim Tanzen und beim Fußball. Beim Fußball bin ich immerhin eineinhalb Jahre geblieben mit 15, aber ich war leider nie der sportliche Typ. Das hat man auch im Schulsport gemerkt. Beim Völkerball blieb ich immer als eine der Letzten im Feld, weil ich super ausweichen konnte nur halt den Ball fangen leider nicht. Brachte meinem Team also herzlich wenig. Leichtathletik war meine absolute Schwachstelle, selbst in der 10. Klasse konnte ich weder Sprinten, noch Werfen noch Weitsprung oder Hochsprung. Ausdauer hatte ich, damit konnte ich meine Note retten.

 

 

Ich bin jetzt 25 und ich schaue sehr, sehr gern zurück auf meine Entwicklung, da ich die Dinge jedes Jahr mit anderen Augen sehe. Neben meiner beruflichen Laufbahn als Bundesbeamte letztendlich habe ich 1.000 Dinge verfolgt und ausprobiert. Ich wollte immer schon und will immer noch so viele Dinge lernen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass der Tag zu wenig Stunden und das Jahr zu wenig Tage hat um all die Dinge zu tun und zu lernen für die ich mich interessiere. Ich lese Artikel über Quantenphysik, Bücher über Neurosenlehre.

Jahrelang habe ich andere Menschen beneidet die ihr Fachgebiet, ihre Stärke, ihren Sport oder Ihre Berufung gefunden haben und mich schlecht gefühlt, weil ich mich nicht für eine Sache entscheiden konnte. Es gibt einfach zu vieles, das mir liegt, mich reizt und mich interessiert
und es hat ziemlich lange gedauert bis ich zu einer Erkenntnis gekommen bin.
Ich muss mich nicht entscheiden.
Ich kann alles machen.
Ich muss mich nur sortieren und organisieren.

Jedem anderen gönne ich es, wenn er sein Spezialgebiet gefunden hat. Ich beneide ihn oder sie nicht mehr darum. Jeder Mensch tickt anders und es gibt einige andere die so ticken wie ich. Belächelt wird man, weil man ständig neue Ideen und Vorhaben hat. Schnell ist die Neugierde nach dem einen befriedigt und das nächste steht an. Wer etwas so schnell wieder verwirft, kann es nicht richtig gelernt haben heißt es. Gegenbeispiel: Ich wollte wissen ob ich eine funktionierende, gute Website mit WordPress bauen kann. Völlig ohne Programmierkenntnisse. War dank Youtube ziemlich einfach. Nach ein paar Videos unterschiedlicher Herkunft und dem Ausprobieren am Beispiel eines Blogs habe ich eine echt komplexe WordPress Website ohne Baukasten-Prinzip gebaut. Kann ich jetzt zu meinen Skills zählen: Website bauen. Ebenso wie Photoshop und Indesign. Damit habe ich mein Buch und Buchcover designt.

Es ist total schwierig sich nicht wie ein Versager zu fühlen, wenn einem alle anderen Menschen das Gefühl geben man bringt Nichts zustande, weil man sich nicht auf eine Sache spezialisieren kann. Was man hier braucht ist sehr viel Liebe, Geduld und Wertschätzung sich selbst und anderen Menschen gegenüber.

Wir sind wer wir sind.

Wir können uns weder den Körper aussuchen in den wir hineingeboren wurden, noch die Abstammung oder die Art und Weise wie unser Hirn funktioniert. Wir müssen für uns selbst heraus finden was uns im Leben glücklich macht und dann nach diesem Glück streben. Niemand kann uns sagen was sich für uns richtig anfühlen muss. Deshalb trägt mein Buch auch den Untertitel „How to Create Your OWN Happiness“. Ich bin nur glücklich, wenn ich ständig neue Dinge lernen kann und meine Neugierde ausleben kann. Ich muss meine Grenzen und Fähigkeiten testen und das nicht nur auf einem Gebiet.  Und um das zu tun ist es unabdinglich ein ordentliches Zeit-Management zu haben und Prioritäten zu setzen. Doch ich könnte nicht glücklich leben, wenn ich nicht wüsste: In der einen Ecke meiner Galerie steht die E-Gitarre auf der ich spielen lernen durfte und zwar mein absolutes Lieblingslied „Self-Esteem“  von „The Offsprings“. Daneben steht ein Sekretär in dem ich drei Laptops und eine Festplatte voller Songtexte, Geschichten und Buchideen habe. Hinter meiner Kommode sind meine Leinwände und Aquarellfarben für all die Bilder in meinem Kopf und vor der Kommode liegen meine Abiturunterlagen. Sobald ich mein Abitur erfolgreich abgeschlossen habe und Spanisch beherrsche muss ich noch Italienisch und Französisch lernen. Unten in meiner neuen Garderobe aus Obstkisten steht ein Rucksack mit einem Tennisschläger und natürlich habe ich mir nicht nur vorgenommen Tennis zu lernen sondern auch Golf. Außerdem möchte ich wieder nach Frankreich zum Surfen und mein Mountainbike über Trails jagen. Yoga und die Slackline sollen mir mehr Stabilität bringen. Ja ich bin größenwahnsinnig und ich liebe es. Es tut mir leid aber es tut mir nicht leid. Was auch immer ihr da draußen plant, lasst euch nicht unterkriegen. Wir haben nur begrenzt Zeit und so viele schöne Dinge warten auf uns. Lasst allen unnötigen negativen Ballast beiseite und macht euch auf EUREN eigenen Weg zu EUREM Glück.
So wie ich, mal sehen wo er mich hinführt. Ich werde es euch berichten.

 

 

KEEP ON KEEPING ON.

Eure Madeleine

Madeleine

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