Der Motorsport hat einen neuen Fan gewonnen – 24h of Spa – Blanpain GT Series

Herberth Motorsport, Porsche 911 GT3 R (991), Jürgen Häring (D), Edward-Lewis Brauner (D), Wolfgang Triller (D), Alfred Renauer (D), Spa-Francorchamps, 2018

So schnell kann sich alles ändern. Alles kommt anders als gedacht und genau deshalb plane ich nicht mehr länger voraus. 

Vor einer Woche genau saß ich mit meinem Rucksack gepackt unter einem Ginkobaum in Aachen und heute? Tja, also heute, genau jetzt, sitze ich an der Rennstrecke Circuit de Francorchamps in Spa, Belgien.

Meine Hände sind schmutzig und der Benzingeruch vernebelt meine Sinne.

Das Crew-Shirt von Herberth Motorsport klebt an meinem Rücken, es hat 31 Grad.

Naja gerade eben ist es etwas kühler, es hat geregnet. Zum Glück, könnte man meinen, aber es ahnt ja niemand, was das für die Rennfahrer und jeden einzelnen der hier mitwirkt, bedeutet.

Vom 25. bis zum 29. Juli 2018 findet hier auf der Rennstrecke Circuit de Spa-Francorchamps das 24h Rennen “Total 24h of Spa” statt. Das größte GT3-Rennen der Blanpain-Serie. Als absoluter Rookie im Motorsport hatte ich diese Woche einiges aufzunehmen, um die ganzen Zusammenhänge hier nachvollziehen zu können.

Jetzt wird mir immer mehr klar, wie unglaublich viel harte Arbeit hinter einem Autorennen wie diesem steckt. Welche Strapazen die Fahrer, Ingenieure, Mechaniker und alle anderen die hier mit anpacken auf sich nehmen, um den Fans des Motorsports diese Show bieten zu können.

Damit man sich ein Bild machen kann hier kurz mal ein paar Eckdaten: Das Team, das ich hier besuche, betreut hier im 24h Rennen einen Porsche Carrera GT3 R. Vier Fahrer werden sich 24 Stunden lang im ca. stündlichen Takt das Lenkrad übergeben. Alle aus der Crew sind nicht nur diese 24 Stunden während des Rennens wach, sondern auch die Tage davor, um das Ganze vorzubereiten, das Auto zu testen und einzustellen etc. Dazu kommt noch der nächste Tag, an dem alles abgebaut wird.

Für dieses Rennen reisen die meisten Teams am Mittwoch an, wir waren schon am Donnerstag der Vorwoche hier, ich Freitagabend. Und wieso sage ich eigentlich „wir“ und wie zum Teufel bin ich hier her gekommen?

Nun, ich war in der Gegend.

Das stimmt tatsächlich. Ich war gerade in Aachen, als ich von einem Freund von Herberth Motorsport hier her eingeladen wurde. Absolut im Abenteuermodus habe ich natürlich sofort ja gesagt und kaum hatte ich einen Fuß auf das Gelände der Rennstrecke gesetzt, bekam ich auch schon ein T-Shirt der Crew. Wer hier ist, arbeitet mit. Eigentlich könnte man meinen, ich bin quasi zu Besuch hier. Da ich noch nie in meinem Leben Berührungspunkte mit Motorsport hatte, kann ich kaum etwas beitragen, dachte ich. Aber ganz im Gegenteil, jede helfende Hand ist hier willkommen und das ist das Mindeste was ich den Jungs von Herberth Motorsport zurück geben kann dafür, dass sie mich auf dieses Abenteuer eingeladen haben. An dieser Stelle ein ganz großes Dankeschön an Alfred und Robert Renauer und dieMänner von Herberth Motorsport.

Ich sag’s ganz direkt. Ich liebe es hier. Ich liebe die harte Arbeit und zu sehen, dass hier jeder mit anpackt. Mir kommt die Welt des Motorsports ein bisschen vor wie eine Familie.

Gestern Abend wurde eine Parade veranstaltet, in der die Fahrer mit den Rennautos durch Spa fuhren. Die Autos wurden in Reih und Glied aufgestellt und die Fahrer konnten allen Fans Autogramme geben:

„Davon lebt der Motorsport, dank dieser Fans können wir Fahren“,

sagte die Frau eines Fahrers . Tatsächlich treffen sich viele Fans, die auch bei anderen Rennen auf den Tribünen sitzen, um dem Lärm der Autos zu zuhören, wie sie mit 240 km/h ihre Runden fahren um den Sieg.

Ich bin schon ganz gespannt auf das Rennen am Samstag, also übermorgen. Ich glaube es ist ein wahnsinniges Gefühl am Sonntag, den 29.07.2018 um 16:30 Uhr das Rennen beenden zu können.

Schließlich kann einiges passieren und alle sind in Hab-Acht-Stellung. Ganz zu schweigen von größeren Unfällen können auch die kleinsten Kleinigkeiten das Aus für ein Auto bedeuten und damit  für das gesamte Team.

Doch daran denken wir nicht. Wir sind hier und geben alles, und der Motorsport hat mit mir einen neuen Fan gewonnen. Ich habe Benzin geschnuppert und will hier nicht mehr weg. 

 

Madeleine

LEAVE A COMMENT

RELATED POSTS