Einfach machen und genießen

· Wenn dich jemand auf eine Reise mitnehmen will sag immer ja ·

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Auf meinem Handy poppte seine WhatsApp Nachricht auf: “Hey, hast du Lust mit nach Italien zu kommen entweder das zweite oder dritte Januar Wochenende?”

“Sofort!”

Es wurde das erste Januar Wochenende und ich hatte nur eine leise Ahnung was mich erwartet. Ich wusste wir würden campen gehen. Das war für einige andere schon Grund genug nicht mitzukommen, denn ja, auch in Italien ist es im Januar kalt. 8 Grad kalt um genau zu sein. Aber ich soll mir keine Sorgen machen, sagte er, wir fahren mit dem Wohnmobil von einem Freund das hat eine Heizung. Da haben wir auch genug Platz wir sind insgesamt zu 4.

Wo fahren wir eigentlich genau hin?

Weiß nicht wie das heißt, ist aber echt gut dort!

Okay, ich vertraue dir.

Eine der besten Entscheidungen in diesem Jahr bisher! Ich hatte 20 Minuten Zeit am Freitag in meiner Mittagspause um meine Sachen zu packen. Man braucht ja eigentlich auch nichts zum Campen: Schlafsack, Duschzeug, Schlafsachen, Sportsachen und vielleicht noch gesellschaftsfähige Sachen, also eine schwarze Jeans (hatte ich natürlich kein einziges Mal an – braucht man nicht). Für den Rest wurde gesorgt. Die anderen Drei hatten wirklich alles dabei: Essen, Getränke, Boxen etc. Sie hatten auch ein paar ziemlich coole Spielsachen dabei.

Ich wurde Freitag Nachmittag am Autobahn-Parkplatz eingesammelt von einem meiner engsten Freunde, seinem Freund den ich schon vor einigen Jahren bei einer anderen coolen Sommeraktion getroffen hatte, und dessen mir bis dato unbekannten aber im Nachhinein super angenehmen Freundin. Zu meiner freudigen Überraschung hatte seine Freundin ihren Hund dabei! Wuhu! Ich liebe Hunde! Die Drei saßen vorne im Cockpit und mein Freund und ich machten es uns in der Kabine gemütlich. Man denkt ja gar nicht wie ungemütlich so eine Fahrt im hinteren Teil eines Wohnmobils ist. In jeder Rechtskurve fühlte es sich an als würde mein Magen umgedreht und in jeder Linkskurve als würde mein Gehirn aus den Ohren gezogen! Wir haben uns ein Hörbuch angehört, was ich jedem empfehlen kann. Hörbücher, also gelesene Bücher sind einfach andere Geschichten als Filme oder Serien. Oder man hört sich Sachbücher an und lernt dabei noch einiges. Einige Autobahnstunden und zwei Bergpässe später kamen wir an der italienischen Grenze an. Es war absolut Niemand dort. Weiterfahren. Ich weiß bis heute nicht genau wo wir waren, nur so viel: Wir waren am Ufer eines Flußes namens Tagliamento und die nächst größeren Ortschaften waren Bordano und Venzano. Irgendwo dazwischen waren wir.

 

 

Man kann sich absolut nicht vorstellen was das für ein Campingtrip war! Das Wohnmobil war kein einfaches Omamobil. Es war das heftigste Gefährt, das ich je gesehen habe! Mit diesem Ding sind wir über die steilsten Schotterstraßen gefahren und das mit einem Anhänger hinten dran! Das Wohnmobil – das übrigens noch auf eine Taufe wartet –  hatte eine eigene Warmwasser- und Stromversorgung, sprich wir hatten Heizung, eine warme Dusche, Toilette, Kühlschrank und Küche. Luxus!

Der wahre Luxus an diesem Ausflug war allerdings dieses unfassbare Gefühl von Freiheit und die Menschen mit denen ich dies teilen konnte. Um uns herum herrschten gefühlt hundert verschiedene Vegetationszonen: Steinerne Felswände, teilweise mit Schnee bedeckte Gipfel, mit Efeu und Moos überwachsene Wälder, ewig freie Steppe, ein ausgetrocknetes Flussbett, Bäche, Wasserfälle, Höhlen und Bunker, Schießstände, Wanderwege und der Tagliamento mit seinem Kiesufer.

Wir kamen an als es schon dunkel war. Schnell war eine Feuerstelle gebaut aus herumliegenden Steinbrocken und Treibholz. Es entsteht tatsächlich aus triefend nassem Holz ein riesiges Feuer, wenn man weiß wie man es machen muss! Ein Tisch, Campingstühle und ein Feldbett machten das Lager draußen fast perfekt. Den letzten Schliff bekam es durch Strahler die unser Camp rund herum beleuchteten. Es war einfach traumhaft dunkel und ruhig dort oben. Wir redeten noch eine Weile, ließen uns von der Musik treiben und gingen irgendwann ins Bett. Aber nicht bevor wir das Quad ausgeladen hatten und natürlich sind wir im stockfinsteren Flussbett zu zweit auf dem Quad über Steinhügel gedonnert! Ich konnte meinem Fahrer blind vertrauen, da ich oft auf dem Motorrad bei ihm hinten drauf mitfahre. Ich glaube die Jungs haben noch einige weitere Stunden draußen verbracht ehe sie in das Wohnmobil zum Schlafen kamen. Es war so kuschelig warm und genügend Platz für uns vier, wirklich perfekt.

Ich wache grundsätzlich gegen halb 8 auf wenn ich ausschlafen kann. Als ich meine Augen öffnete stand die Sonne gerade so, dass sie die Berge vor meinem Fenster anstrahlte. Es war eine unfassbare Stimmung! Ich habe versucht diesen Moment in einem Bild einzufangen doch leider gelang es mir nicht ganz so wie ich es mir vorgestellt hatte. Wir hatten uns eine neue Canon Eos 750d zugelegt und uns zahlreiche Youtube Tutorials zum Thema Fotografie reingezogen, damit wir auch damit umgehen konnten und die Kamera begleitete uns auch so gut wie jede Minute.

Zum Frühstück gab es Rühreier und Kaffee.

Wir teilten uns auf und die anderen beiden machten eine Quad-Tour während ich unbedingt wissen wollte was dort hinter diesem Wald lag . . . Vom Camp weg, hindurch durch den ausgetrockneten Fluss und hinüber zum Wald gingen wir also. Dahinter sei der Fuß des Berges sagte mein Freund. “Also wirklich direkt die Felswand steil nach oben!” “Okay, da muss ich hin!”

Gesagt, getan. Und tatsächlich, hinter den Pinien, über einen Schießübungsplatz mit noch aufgestellten Zielen aus Autoreifen und Sandsäcken und weiter Richtung Berge führte ein Weg zu einer Felswand die man theoretisch mit entsprechender Ausrüstung hätte erklimmen können. Wir gingen an der Felswand entlang zurück durch den oberen Teil des Waldes. Es roch überall nach Pinien. Wenn Ihr jemals durch Wälder streift dann denkt unbedingt daran alle Gerüche einzufangen es ist so faszinierend! Als der Wald steil am Hang entlang führte, standen dort einige Bäume die mit Efeuranken überwuchert waren. Für mich hatte Efeu schon immer etwas mystisches an sich und dieses Grün lies das Waldstück wie einen Zauberwald wirken. Den Hang hinunter kamen wir bei einem Staudamm an der zick-zack förmig den Berg hinunter zum Fluss führte. Direkt an der Spitze des Staudamms stand ein Denkmal für einen gefallenen Soldaten.

Oh Gesú Proteggi i soldati che passano quá.

Wir gingen zurück zum Camp.

Schon seit meiner Kindheit liebe ich es durch Wälder zu streifen und meine Umgebung auszukundschaften. Dieser Trip war eben deshalb so abenteuerlich, weil ich nicht wusste wo ich war und was hier alles auf mich wartete. Zu viert fuhren wir mit dem Quad in die Berge und parkten am Beginn eines Wanderweges. Direkt dort, wo das Wasser die Felsen hinunter stürzte. Es war so ein ungeheuer lautes Rauschen obwohl das Bächlein so winzig war! Durch die Schlucht hallte das Geräusch aber stark wieder. Wir kletterten zum Rande des Wasserfalls und hatten eine traumhafte Aussicht hinunter zum Camp, zum Tagliamento und sogar zu den dahinter liegenden Bergen.

 

Der Wanderweg führte uns vorbei an einem kleinen dunklen Eingang. Ein klaffendes schwarzes Loch war dort im Felsen und natürlich wollten wir wissen wo dieser Eingang hinführte. Es kam zumindest schon mal kein Tier heraus als ich in die Dunkelheit rief und mich immer weiter dem schwarzen Tor näherte. Wasser stand in dem weniger als 1 qm Meter großen Eingang. Einige Stahlträger verliefen sich dort doch es ging nirgendwo hin. Es war einfach nur ein schwarzes Loch. Doch meine Freunde erzählten mir von einem Bunker-Labyrinth irgendwo hier in den Bergen und das werde ich definitiv noch entdecken! Weiter ging es den steilen Wanderweg hinauf und unser vierbeiniger Freund bewies auf dieser Tour übrigens sehr viel Geschicklichkeit in Sachen klettern. Irgendwann kamen wir erneut zu einem idealen Aussichtspunkt über das Tal hinab und wir hatten die Möglichkeit weiter zu gehen oder umzukehren, denn es dämmerte schon. Wir hatten unsere Taschenlampen vergessen und nicht genügend Akku um es zu riskieren. Trotzdem wollte ich unbedingt wissen wie der Weg weiter ging! Er führte uns ständig um Kurven, durch Schluchten und über kleine Holzbrücken, sodass man nie wusste was einem nach den nächsten 5 Metern erwartete.

Die beiden Jungs blieben stehen während wir zwei Mädels plus Hund noch ein Stück weiter gingen. Nein, eigentlich sprinteten, weil wir unbedingt so weit wie möglich hinauf kommen wollten. Der Gipfel schien zum Greifen nah und über uns kreiste ein Adler, zwei Adler nein es waren vier Adler. Doch es reichte einfach nicht. Wir mussten umdrehen. Den Gipfel haben wir uns für den nächsten Trip dorthin aufgehoben. Wir gingen zurück zum Quad wieder über Felsen, Brücken, am schwarzen Tor vorbei und beschlossen uns dafür den Sonnenuntergang am Ufer des Tagliamento anzusehen.

Alle wieder aufgesattelt fuhren wir am Lager vorbei runter zum Fluss. Es war perfekt. Eiskalt aber wunderschön. Tagsüber hatten wir unglaubliches Glück mit dem Wetter, nur sobald die Sonne weg war wurde es richtig kalt. Am Lager wieder angekommen heizten wir die Feuerstelle erneut an und sammelten alles Holz auf, das im nächsten Umkreis lag während die Männer den Beamer installierten. Jap, den Beamer der einen Horrofilm mitten im Nirgendwo an die weiße Wand des Wohnmobils projezierte während es um uns herum still, kalt und dunkel war. Und natürlich musste mein Freund die Kamera ausprobieren und schlich die ganze Zeit um unser Lager herum um die Sterne und die Berge einzufangen! Kaum unheimlich.

Ich habe versucht so kurz und doch so detailliert wie möglich zu beschreiben welche tausend Eindrücke ich in diesen knapp drei Tagen gesammelt habe. Wenn dich jemand fragt ob du mit auf eine Reise kommen willst dann sag immer ja, wenn du kannst! Ich habe neue Freunde gefunden, das Jahr hat für mich mit einem Ausflug begonnen der mir wieder gezeigt hat mit wie wenig man glücklich sein kann und, dass man Dinge einfach tun muss und sie genießen muss. Manchmal fühlt das Leben sich an wie ein Wettlauf gegen die Zeit und man hat das Gefühl die Zeit rinnt einem durch die Finger, doch dann gibt es solche Momente in denen einem Minuten vorkommen wie Stunden und Tage einem Energie geben für Wochen! Man muss sich rauspicken was man vom Leben will und es dann einfach machen und man muss sich mit Menschen umgeben die auf der selben Mission sind. Menschen, die einfach leben wollen!

 ◊ Mehr Fotografien von diesem atemberaubenden Trip findet Ihr auf meiner Instagram Seite ◊

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