Frühling

· Der Frühling, der Aufbruch, die Vorbereitung, die Neugierde und die Abenteuerlust. Die Verliebtheit und der Tatendrang. ·

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Der Frühling, der Aufbruch, die Vorbereitung, die Neugierde und die Abenteuerlust. Die Verliebtheit und der Tatendrang.

Ich kann jedem Wetter etwas Gutes abgewinnen, doch freue ich mich trotzdem sehr auf den Frühling. Mir kommt es oft so vor, als würde die Welt nur darauf warten endlich wieder loszulegen, zu blühen. Es fühlt sich an, als würde die Erde in all ihrer Form auf einmal explodieren, wie ein Feuerwerk aus Farben, Gerüchen und Geräuschen.

Die Sonne geht auf und färbt in Himmel in ein atemberaubendes Aquarell. Töne aus Rot, Rosa, Lila, Gelb, Orange und Türkis fließen ineinander über. Die Luft ist kalt, klar und frisch. Es ist irgendwie trotzdem angenehm warm. Die Sonnenstrahlen wärmen die Haut. Es ist so hell, dass es geradezu blendet. Wenn ich eine Sonnenbrille tragen könnte, würde ich es tun. Doch ich mag das Gefühl nicht, das Gestell auf meiner Haut zu spüren und durch die gefärbten Gläser, fällt es mir schwer die Welt um mich herum zu entdecken.

Es riecht nach Erde, die gefroren war und nun auftaut. Manche würden sagen, es riecht nach Frühling. Die laue Luft hat etwas, dass ich mit Frühling verbinde. Es riecht nach Blumen. Krokus blüht und auch die Schneeglöckchen. Diese Blumen sind so zart, manchmal glaube ich, ich könnte sie tanzen sehen.

Ich kann in der Ferne Windspiele hören und Gartengeräte. Eine Säge. Doch am Lautesten sind die Vögel. Sie zwitschern alle wild durcheinander. Es ist so unglaublich laut. Die Vögel kündigen immer den Frühling an. Ich habe mehrere Futterstellen für sie entdeckt und beobachte die vielen verschiedenen heimischen Arten ,wie sie im Anflug sind und sich schnell wieder davon machen.

Mit allen Sinnen kann man den Frühling erfahren. Ich muss an eine Blumenzwiebel denken. Tief unter der Erde schlummert die Zwiebel und die Blume darin wartet nur darauf,  Schicht für Schicht von innen nach außen zu treiben. Durch die dunkle, feuchte Erde der Sonne entgegen zu stoßen. Hoch zu wachsen und dann endlich ihre volle Blütenpracht zu zeigen.

Manchmal fühle ich mich wie diese Blume. Manchmal habe ich das Bewusstsein dieser Blume, die unbedingt mit aller Kraft nach außen dringen möchte und ihre farbenfrohe Pracht entfalten möchte. In anderen Momenten wiederum, spüre ich das Bewusstsein der Zwiebel. Das etwas tief in mir schlummert, das hinaus möchte. Dass ich Schicht für Schicht öffnen muss, um dieser Blume den Raum zu geben, durch die Erde hindurch ans Sonnenlicht zu gelangen. Zum Schluss gibt es dann Augenblicke, in denen nehme ich dieses Schauspiel wie ein stiller Beobachter von außen war. Ich erkenne die Zwiebel, die sich bewusst ist, dass sie eine Zwiebel ist und eine Blume in sich trägt. Ich erkenne das Bewusstsein der Blume, die weiß, dass sie durch die unzähligen Schalen und Erdschichten nur ein Ziel hat. Sich der Sonne zu öffnen und zu blühen.

Ich glaube, die Jahreszeiten sind nicht nur ein Rahmen für unseren Kalender, sondern für unser ganzes Leben. In allen Bereichen.

Der Frühling, der Aufbruch, die Vorbereitung, die Neugierde und die Abenteuerlust. Die Verliebtheit und der Tatendrang.

Der Sommer, die Hochphase, der Mut, die Verwirklichung, das Handeln, das Ziel.

Der Herbst, die Sicherheit, der Endspurt, das zur Ruhe kommen, die Gewissheit, die Selbstsicherheit, das Gedankenkarrusel.

Der Winter, die Stille, die Rast, das Ende, der Anfang, die Liebe.

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Ich möchte diese Blume sein. Ich möchte raus in die Welt, der Sonne entgegen. Das erfordert Kraft und Mut. Man weiß ja nicht, was man finden wird. Die Entwicklung dieser Blume ist irgendwie so, wie eine Persönlichkeit zu entwickeln. Aus sich raus zu kommen und der Welt sein wahres Wesen zu zeigen. Durch all die Schichten der Selbstzweifel, und beschränkenden Glaubenssätze hindruch. All die Schichten unserer Zwiebel, die unser wahres Wesen so lange schützen, bis es Zeit ist zu blühen. Sich durch die Erde, durch den Dreck, durch harte Arbeit hindurch durch alle äußeren Einflüsse von innen nach außen zu entwickeln und aufzublühen.

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